Fiebertraumgrippenwahnsinn!

Schweißnass gebadet liege ich da.
Die Decke klebt an meiner Haut. Feuchtwarme
Wolldecke fühlt sich nicht gut an, wenn sie an der Haut klebt.

Ich zitter, ich huste. Keine guten Träume in den letzten zwei Stunden, die ich durchgeschlafen habe. Seit 24 Stunden geht das jetzt so. Meine Knochen und Gelenke schmerzen.

Überall im Zimmer liegen leere Wasserflaschen, alles ausgeschwitzt, denk ich mir bei dem Anblick. Nicht ein Mal warst du in den letzten 24 Stunden auf Klo, zumindest nicht zum urinieren. Ich nehme noch einen kräftigen Schluck und raffe mich auf um ein wenig frische Luft ins Zimmer und an meinen Körper zu lassen.

Schnell das Fenster wieder zu, die drei Decken, die mich vor der Außenwelt schützen umgedreht. Ich will nicht wieder zurück unter das nasse und mittlerweile bestimmt schön kalte Wolle-Polyestergemisch. Ich leg mich also wieder schwitzen und gebe mich den Fieberträumen hin. Im Traum läuft Essen an mir vorbei, ganz kurz im Augenwinkel. Als ich wach werde denke ich: Ohne essen kann der Mensch länger…und greife zur Wasserflasche, mein Schal scheint mir die Kehle ab zuschnüren, ich brauche Luft! Reiß ihn mir runter! Geht auch nicht, ich friere, also
wickel ich mir zwei um den Hals. Bloß nicht zu eng, aber nahe genug, das es schön wärmt. Ich setze mich kurz aufrecht ins Bett, mein Rücken.

Nach 26 Stunden Odyssee schleppe ich mich in den Supermarkt, brauche Badezusatz um meine geschundenen Knochen zu entlasten und irgendwas erkältungsmäßiges. Ich friere, ich schwitze, alles gleichzeitig. Ich mache trotz kurzzeitigem Realitätsverlust erfolgreich Beute und schaffe es sogar noch Katzenfutter zu kaufen.

Zur 29sten Stunde ist die Katze gefüttert, die Badewanne voll und die Badezusätze fast leer. Ich leg mich in das heiße Wasser. Endlich schaffe ich es meinen Körper von diesen giftigen Ausscheidungen zu trennen. Vorerst!
Ich hoffe nicht einzuschlafen, ich bin allein. Keine Lust auszuprobieren ob man wirklich im Schlaf ertrinken kann oder rechtzeitig aufwacht. Mal sehen wie lang ich diesmal wach bleiben kann.
Mir fällt auf, das ich schon ziemlich lang wach bin und ich mache mir doch leichte Sorgen. Das Wasser wird allerdings schneller kalt als ich dachte und so fange ich schneller wieder an zu frieren, bevor ich überhaupt ans einschlafen denken konnte. Ich lasse Wasser ab, um heißes Wasser nachlaufen zu lassen. Ich will hier noch nicht raus.

Warum ist im Innenleben einer Badewanne eigentlich kein Vakuum, frage ich mich während ich sekündlich spüre, wie das Wasser schon wieder kälter wird. Das würde doch dann fast wie bei einer Thermoskanne wirken, außer das man auf die Badewanne keinen Becher schraubt. Obwohl eine Badewanne mit Deckel, wo oben nur der Kopf raus guckt auch eine witzige Sache wäre.

Bringt nichts, das Wasser ist wieder kalt. Zu kalt für meine Verhältnisse nochmal nachlaufen lassen will ich nicht, das finde ich dann doch allzu verschwenderisch! Beim abtrocknen friere ich mir denArsch ab, was auch sonst.

Ich schlüpfe in frische, nicht klebende Klamotten. Jetzt muss ich pinkeln. Warum nicht vor dem Bad, ärgere ich mich kurz um es dann gleich wieder als nichtig abzutun, Hauptsache überhaupt mal wieder erleichtern. Alles auszuschwitzen wäre mir auf Dauer doch recht seltsam vorgekommen. Ich lasse Wasser und ärgere mich wieder das ich nicht vor dem baden musste. Mein Urin stinkt nach einem bitteren Medikamtencoktail und ich bin froh diesen schrecklichen Ort verlassen zu können.

Ich begebe mich zurück zu meinen wohl bekannten drei Decken. Das Sandwich setzt sich zusammen aus einer Wolldecke, einer Daunendecke und wieder einer Wolldecke. Die nächsten 20 Stunden werden der Horror, aber das weiss ich jetzt noch nicht.

Ich lege mich hin, die 31ste Stunde meiner Irrfahrt ist erreicht. Ich döse, ich schlafe, ich weiss es nicht. Manchmal hör ich mich selbst reden, aber ich versteh mich nicht. Bewegungen sind ebenfalls Fehlanzeige. Es erscheinen Menschen an meinem Bett aber als ich deren Hände ergreifen will sind sie nicht mehr da. Puh, was ist Traum und was Realität? Ich schwitze. Ich trinke, also muss ich wach sein oder trinkt man auch im Traum? Ich muss wach sein, ich schleppe mich doch gerade unter größten Anstrengungen und einigen Schmerzen zum Wasserhahn um
meine Wasserflasche aufzufüllen, weil ich nicht kräftig genug war mir neues Wasser zu kaufen. Zumindest hab ich mir das nicht zugetraut oder hatte ich es schlichtweg vergessen, vor Freude über in Erinnerung behaltenes Katzenfutter?

Wie auch immer ich musste schnell zurück ins Bett und zwar mit Wasser!

Wasser ist Leben, denk ich mir und hau mich mit einer Flasche Leben zurück ins Bett! Es dauert nicht lange und ich halluziniere wieder. In meinen Träumen erscheinen verstorbene Menschen, die mir nahe standen auf lapidarste Art und Weise. Ich sehe Kühe Krokodile gebären, die dann wiederum sofort danach die Kuh fressen. Ich sehe mich gewinnen und verlieren. Dann scheint plötzlich Krieg zu sein. Ich hab zum Glück noch keinen erlebt, also jetzt so haut nah, deshalb kann ich es auch gerade nicht so genau sagen. Ich raffe mich auf und zieh den Vorhang zurück.
Sollte wirklich Krieg draußen sein, wer weiss auch wie lange ich hier schon liege, dann will ich mich doch wenigstens drauf vorbereitet wissen.

Bunte Lichter erhellen den Nachthimmel, auf den Straßen tobt das Leben. Ach ja, Silvester! Na dann mal frohes Neues! Ich zieh den Vorhang wieder zieh und mummel mich in meine ieehh, nasse Decke. Ich tausche sie. Meine Haare kleben auf meiner Stirn und im Nacken Hoffentlich ist das bald vorbei, denk ich mir und falle dabei wieder in einen Dämmerzustand. In einer trichterförmigen Spirale kommen Bilder und Stimmen auf mich zu, ich kann ihnen nicht ausweichen. Sie prallen auch nicht an mir ab, sondern dringen direkt in mich ein. Manchmal muss ich
weinen.

Ich werde nochmal wach, brauche neues Wasser und schleppe mich zum Hahn. Es ist kalt geworden, ich dreh alle Heizungen an denen ich vorbeikomme höher.

Als ich zurück ins Schlafzimmer komme, fällt mir beim Blick zum Fenster auf, das es am dämmern ist. Morgen- oder Abenddämmerung, frage ich mich und werfe einen Blick zur Uhr: Morgendämmerung, ich lasse mich wieder unter das Deckensandwich gleiten und schlummer recht fix ein. Diesmal fast ohne Träume. Das ein oder andere Kaninchen, das mich im Zimmer besuchen kommt oder ist das die Katze?!

Irgendwann werde ich wach, ich muss mal wieder aufs Klo. So schnell ich kann leg ich mich wieder hin. Ich liege und liege und liege und stelle nach einer Weile sinnlosen herumliegens fest, das ich nicht mehr schlafen kann! Oh höret, ein Wunder ist geschehen!
Ich liege noch eine Weile, bevor ich mich in die Senkrechte begebe, einmal die komplette Bude durchlüfte, die Katze mal wieder füttere und mich bei ihr mit übertrieben ausgiebigen Streicheleinheiten dafür entschuldige, die letzten Stunden so nachlässige gewesen zu sein.

Kurz im Internet geschaut, was ich weltbewegendes die letzten 51 Stunden verpasst habe. Bis auf das übliche: Mord, Totschlag, Zerstörung, Korruption und Intrigen, scheinbar nichts. Ich wage mich ein Knäckebrot zu essen. Es bleibt drin.

Mittlerweile geht es mir schon besser knapp 120 Stunden nach dem das hier alles anfing. Mein Hals tut immer noch weh und zwischendurch hab ich noch schmerzlich bedingte Stimm- und Schluckausfälle, aber ich kann wieder essen und ich habe nicht mehr diesen lästigen Träume. Beim schreiben dieser Zeilen ist mir aufgefallen, das meine Hände nun ein wenig älter erscheinen. Ich werde sie gleich mal eincremen.

Ich weiss noch nicht ob ich dankbar für diese Fiebertraumeingebungen sein soll oder traurig darüber. Viele dieser Träume ergeben so langsam einen Sinn und bekommen eine tiefere Bedeutung. Diese tiefere Bedeutung wandelt sich zu Erkenntnis und Erkenntnis hat auch immer mit einer gewissen Konsequenz zu tun die, dadurch das sie eben so konsequent ist wie Konsequenz nur sein kann, auch sehr schmerzlich sein kann. Bin ich bereit für diesen Schmerz?

Darüber denke ich beim nächsten Mal nach.

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1 Kommentar »

  1. akareyon Said:

    Boh krass. Mein Mitgefühl geht an Dich aus! Kleiner Tip aus meiner letztjährigen Erfahrung: nach einer Buddel Rotwein macht das Fieber fast Spaß 🙂


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